24.08.2017

Der finanzielle Ausgleich für immaterielle Schäden

Schmerzensgeld nach einem Verkehrsunfall

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Bei einem Kfz-Unfall werden die materiellen Schäden oder Vermögensschäden durch die Haftpflichtversicherung des Unfallschuldigen ersetzt: das sind Schäden am KFZ und am sonstigen Besitz, Erwerbsschaden (Einkommensausfälle), Haushaltsführungsschaden (Kosten für Haushaltshilfe), ärztliche Behandlungskosten, Mietwagen u.ä. Neben diesem „Schadensersatz“ gibt es auch einen Rechtsanspruch auf „Entschädigung“. Das ist der finanzielle Ausgleich für immaterielle Schäden, also solche, die nicht als Vermögensschäden zu beziffern sind. Dazu gehört das sogenannte Schmerzensgeld. Es entschädigt das Unfallopfer zusätzlich für Verletzungen des Körpers und der Gesundheit (s. § 253 BGB). Einen Anspruch hat jeder, der unverschuldet verletzt wird.

Zahlungspflicht und Höhe

Das Schmerzensgeld zahlt die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallschuldigen. Die Höhe hängt vom Einzelfall ab. Maßgeblich sind

  • Art und Schwere der Verletzung
  • die Dauer des ärztlichen Behandlungsbedarfs
  • Art, Umfang und Dauer der Arbeitseinschränkung bzw. Arbeitsunfähigkeit
  • eventuelle Folge- und Dauerschäden oder Beeinträchtigungen.

Die Spanne reicht von 50 Euro für ein leichtes Schleudertrauma bis zu 500.000 Euro zzgl. Schmerzensgeldrente bei schwersten Gehirnschädigungen und Intensivpflegebedarf. Sogenannte Schmerzensgeldtabellen sammeln gerichtlich zugesprochene Schmerzensgeldhöhen für unterschiedliche Sachverhalte und Verletzungen. Sie bieten aber nur eine grobe Orientierung, die ohne einen erfahrenen Anwalt für Verkehrsrecht für den Einzelfall kaum hilfreich sind. Achtung: Bei Mitverschulden, z.B. bei fehlendem Anlegen des Sicherheitsgurtes, kann das Schmerzensgeld gemindert werden.

Der Geschädigte ist gegenüber der Versicherung des Verursachers belegpflichtig. Er sollte daher die Verletzungen unverzüglich von einem Arzt attestieren lassen und Schmerzen und Beeinträchtigungen, ihre Intensität und ihren Verlauf kontinuierlich dokumentieren, am besten in einem Tagebuch mit Fotos.

Vorsicht bei Abfindungserklärungen

Manchmal tauchen Unfallfolgen erst lange Zeit nach dem Unfall auf. Deshalb sollte keine Abfindungserklärung abgegeben werden, die Nachforderungen ausschließt. Bei selbstverschuldeten Unfällen kann ein Anspruch nur aus einer privaten Unfallversicherung abgeleitet werden.

Schmerzensgeld ist steuerfrei, der Anspruch vererblich. Die Anwaltskosten trägt der Schädiger.

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